Vortrag von Stefan Ruppaner: „Unterricht ist der Anfang allen Übels“
Im Rahmen einer schulischen Veranstaltung durften wir heute einen besonderen Vortrag erleben. Die Einleitung und Begrüßung erfolgte durch unsere Schulleiterin Frau Thies, die auch Gäste von anderen Schulen herzlich willkommen hieß. Ein besonderer Dank galt zudem Frau Finken, die die Veranstaltung mit viel Herzblut organisatorisch vorbereitet hat.
Als Referent konnten wir Herrn Stefan Ruppaner gewinnen, der mit seinen Ideen zur Schulentwicklung bundesweit bekannt ist. Trotz herausfordernder Wetterbedingungen konnte sein Besuch wie geplant stattfinden – darüber zeigte er sich zu Beginn sehr erfreut.
In seinem Vortrag berichtete Herr Ruppaner eindrucksvoll über den Wandel, den seine Schule in den vergangenen 15 bis 16 Jahren durchlaufen hat. Dabei stellte er zentrale Fragen in den Mittelpunkt: Was brauchen Schülerinnen und Schüler wirklich? Was müssen sie können – und wie gelingt es, dass sie gerne zur Schule gehen? Sein Ansatz fordert bewusst traditionelle Strukturen heraus: feste Klassen, klassische Klassenräume, starre Stundenpläne oder das gewohnte Aufgabenverständnis wurden in seinem Modell aufgebrochen und neu gedacht.
Ein Schwerpunkt lag auf der Idee, Kompetenzen nicht nur über Noten oder Prüfungen abzubilden, sondern über sogenannte „Gelingensnachweise“. Hier zeigen Lernende, was sie können – praxisnah, individuell und orientiert an realen Fähigkeiten.
Besonders eindrucksvoll war auch sein Blick auf Lernräume: Der Raum als „dritter Pädagoge“ spielt in seinem Konzept eine zentrale Rolle. Ruppaner betonte, dass Schule nicht nur über Inhalte, sondern auch über Zeit, Raum und Expertise gestaltet wird. Auch digitale Entwicklungen seien Teil des Prozesses gewesen – anfangs habe er das Digitale eher abgelehnt, später jedoch viel ausprobiert, verworfen, überarbeitet und angepasst.
Mit zugespitzten Aussagen wie „Unterricht ist der Anfang allen Übels“ oder „Unterricht hat gar nichts mit Lernen zu tun“ regte er zum Nachdenken an und forderte dazu auf, Lernen konsequent aus Sicht der Kinder zu betrachten. Dazu gehöre auch, Lehrkräften gelegentlich die gewohnte Umgebung zu nehmen – um tatsächlich Veränderung zu ermöglichen.
Ein weiterer Denkanstoß war sein Hinweis auf internationale Vergleiche: Deutschland gehöre – gemeinsam mit China, Nordkorea und Weißrussland – zu den wenigen Ländern, in denen ein Homeschoolingverbot gilt. Auch solche Perspektiven nutzte er, um unsere Vorstellungen von Schule kritisch zu hinterfragen.
Der Vortrag bot zahlreiche Impulse und Denkanstöße für Schulentwicklung und zeigte eindrucksvoll, wie Schule neu gedacht werden kann – stets mit dem Ziel, Lernen sinnvoller, menschlicher, angenehmer und dabei wirksamer zu gestalten.



