Eröffnung der Ausstellung „Grenzen überwinden“ an den BBS Osterholz-Scharmbeck
Wie viel Mut erfordert es, unwägbare Wege zu gehen, weil man die Heimat verlassen muss? Wieviel Kraft kostet es, fremd zu sein? Wie lang dauert es, irgendwo anzukommen?
Fragen wie diese wurden bei der Eröffnung der Ausstellung „Grenzen überwinden“ an der BBS Osterholz-Scharmbeck gestellt. Diese Ausstellung erzählt die Geschichten vieler Schülerinnen und Schüler sowie die eines Kollegen, die alle eines gemeinsam haben: Sie mussten, indem sie Staatsgrenzen überwanden, um hierher zu gelangen, viele weitere äußere und innere Grenzen überwinden.
Diese unglaublich bewegenden Geschichten können nun in einer Dauerausstellung gelesen und gehört werden.
„Grenzen überwinden“ ist das internationale Projektthema aller UNESCO-Schulen. Das UNESCO-Team an der BBS hat sich entschieden, in diesem Zusammenhang die Geschichten derjenigen aus der Schulgemeinschaft in den Fokus zu rücken, die zum Teil viele Staatsgrenzen überwinden mussten, um ein Leben in Sicherheit zu führen. In Zeiten zunehmender Diskriminierung und wachsendem Rassismus soll ein Zeichen gesetzt werden.
Als Vorbereitung für die Ausstellung wurden Interviews geführt oder beteiligte Schülerinnen und Schüler gebeten, ihre Geschichte aufzuschreiben.
M. aus Syrien erzählt, dass er als Kind gezwungen wurde, IS-Kämpfern zu applaudieren, wenn sie Leute an den Galgen hängten. F. aus Afghanistan erlebte 2019 den Brand im Lager Moria auf Lesbos. A. aus dem Irak hat nur knapp die Fahrt mit einem kleinen Schlauchboot übers Mittelmeer überlebt. Viele weitere Erzählungen machen deutlich, dass diese Schülerinnen und Schüler Unvorstellbares überwinden mussten.
Nach ihrer Ankunft wähnten sie sich in Sicherheit, aber leicht war es dennoch nicht. Alle Interviewten betonen, wie schwer es ist, wenn man die Sprache nicht versteht, wenn man nicht weiß, wie man sich verhalten soll, wenn man sich ausgegrenzt fühlt. „Ich fühlte mich unsichtbar“, sagt A. aus der Ukraine.
In einem Grußwort brachte die stellvertretende Schulleiterin der BBS OHZ Jutta Finken zum Ausdruck, wie beeindruckt die Schulleitung und sie persönlich von der Ausstellung mit ihren menschlichen Geschichten ist.
Besonders bewegend war die Rede des Lehrers Fathi El-Khatib bei der Eröffnungsfeier. Herr El-Khatib kam Ende der 80er-Jahre als Kind von Jordanien nach Deutschland und schilderte, dass Grenzen nicht nur auf Landkarten existieren. Für ihn waren vor allem Sprache, Vorurteile, Ausgrenzung und das Gefühl, nicht dazuzugehören, große Hürden. Gleichzeitig machte er deutlich, dass solche Erfahrungen einen Menschen nicht bestimmen müssen. Sein Appell richtete sich besonders an die jungen Menschen: „Lasst euch nicht von anderen begrenzen oder definieren. Andere Menschen dürfen eine Meinung über
euch haben, aber sie dürfen nicht die Autoren eurer Geschichte werden.“
Mit dem, was er sagte, war er Sprachrohr für viele „Grenzenüberwinder“. Und er hat der Schulgemeinschaft einmal mehr ins Bewusstsein gerufen, wie wichtig es ist, hinzuhören.
Damit die Ausstellung mit ihren wichtigen Inhalten auch besucht wird, hat sich die Fachoberschule Gestaltung mit ihrer Klassenlehrerin Viola Maaß viele Gedanken um ihr Design gemacht. Die Klasse setze sich intensiv mit dem Thema auseinander und entwickelte kreative Ideen. Die „Grenzenüberwinder“ sind begeistert von der ansprechenden und treffenden Gestaltung ihrer Erzählungen.
Da die BBS in Bereichshäuser gegliedert ist und nicht alle Schülerinnen und Schüler in dem Gebäude arbeiten, in dem die Ausstellung zu sehen ist, wurden einzelne Zitate aus den verschiedenen Interviews genommen, kreativ inszeniert und mit einem QR-Code versehen. Über diesen Code gelangt man dann zur Audiodatei, über die man die ganze Geschichte hören kann. So wird sichergestellt, dass die gesamte Schulgemeinschaft Zugang zu den unglaublichen Geschichten vom „Grenzen überwinden“ hat.
Andrea Wintjen










